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Informationen zum Berliner Leaking-Projekt

 

Ziel des Berliner Leaking-Projekts ist die Prävention von schwerer zielgerichteter Schulge­walt durch die Früherkennung potenzieller Täter. Unter schwerer zielgerichteter Schulgewalt werden einerseits gezielte Angriffe auf Einzelpersonen verstanden, von denen sowohl das Lehrpersonal als auch Mitschüler betroffen sein können, sowie andererseits die so genannten School Shootings, denen häufig mehr als eine Person zum Opfer fällt. Dass dieses Thema auch für Deutschland Relevanz besitzt, ist spätestens nach dem School Shooting im April 2002 in Erfurt deutlich geworden, bei dem viele Schüler und Lehrkräfte erschossen und verletzt wurden.

 

Die Forschung zum Thema hat nun gezeigt, dass schwere zielgerichtete Schulgewalt offenbar nicht spon­tan erfolgt, sondern das Ergebnis eines längerfristigen Denk- und Planungsprozesses darstellt, der sich häufig auch im Verhalten des Schülers vor der Tat spiegelt. Mögliche Warnhinweise können unter anderem ein übermäßiger Konsum gewalthaltiger Medien, die Beschaffung und der Umgang mit Waffen, fehlende soziale Kompetenzen oder schwere Verlusterlebnisse sein.

 

Als besonders bedeutsam hat sich ein Phänomen herausge­stellt, das als Leaking be­zeichnet wird. Dabei lässt der Täter seine Tatfantasien oder -pläne „durchsickern“, ent­weder direkt in Zeichnungen, verbalen oder schriftlichen Äußerungen oder indirekt durch das de­mon­strative Tragen von Tarnkleidung sowie das Interesse an oder Sammeln von Informa­tionen über Gewalt, Waffen, School Shootings und ähnliche Themen. Da in allen untersucht­en Fällen schwerer zielgerichteter Schulgewalt die Tat im Vorfeld direkt oder indirekt angekün­digt wurde, zeigt sich hier möglicher Weise ein entscheidender Anhaltspunkt für die Identifikation potenziell gefährlicher Schüler.

 

Im Rahmen des Leaking-Projektes soll daher ermittelt werden, wie häufig Leakings an Berliner Schulen vorkommen und anhand welcher Kriterien man ernstzunehmende Drohun­gen von ungefährlichen unterscheiden kann. Zudem wird erfasst, wie häufig es zu Umsetzun­gen von schwerer zielgerichteter Schulgewalt kommt. Durch Aktenanalysen und Untersuch­un­gen von Einzelfällen sollen zudem Risikofaktoren und Ursachen für solche Taten identifi­ziert werden. Ein besonderes Augen­merk gilt zudem der Rolle der Phantasie bei der Entwicklung einer Tatidee und -planung sowie schließlich bei der Umsetzung einer Tat.

 

Die theoretischen Erkenntnisse werden auf vielfältige Weise praktisch umgesetzt und nutzbar gemacht. Zunächst soll mit Experten der Polizei und des schulpsychologischen Dienstes zusammengearbeitet werden, so dass diese auf der Basis der Ergebnisse des Projektes zu einer besseren Ein­schätz­ung potenziell gefährlicher Schüler gelangen und eine erste Gefährlichkeits­ein­schätzung vornehmen können. Bislang bestehende Handlungsunsicherheiten werden somit redu­ziert. Mittels einer Telefon-Hotline können sich auch Lehrer, Eltern oder Mit­schüler an die Experten wenden, um von diesen kompetente Hilfe und Rat zu erbitten. Lang­fristig wird zudem die Einrichtung eines stark vernetzten Meldesystems angestrebt, bei dem Polizei, Schulen, Schulpsychologischer Dienst etc. eng zusammenarbeiten. Somit wird ein inderdisziplinär orientiertes, schnelles und effizientes Eingreifen gewährleistet.

 



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